EJZ vom 10.05.1997

"Wendo" und "Lina" auf dem Jeetzeler Berg eingeweiht

Fleißige Windrad-Familie

ge1 Jeelzel. Windräder sind fruchtbar. Erst seit einem Jahr dreht sich "Wendolina" auf dem Jeetzeler Berg - und schon hat sie zwei Kinder bekommen: "Wendo" und "Lina". Der Nachwuchs ist bereits groß geworden und fleißig. Wie ihre Mutter machen "Wendo" und "Lina" aus Naturkraft Strom. Die dreiköpfige Familie vor den Toren Lüchows produziert an guten Tagen - in windigen Zeiten - soviel Strom, daß die Hälfte aller Lüchower Privathaushalte damit versorgt werden könnte.

Beim Windfest am Himmelfahrtstag waren sich die dortigen Redner einig: Die Jeetzeler Windanlage sei ein Symbol dafür, daß der Atomausstieg zu schaffen sei. Es gab am Himmelfahrtstag für die Betreibergemeinschaft "Wendland Wind" doppelten Grund zum Feiern.

Zum einen war "Wendolina" exakt seit einem Jahr am Netz und hat bisher über 717 000 KWh Strom produziert, zum anderen sollten auch "Wendo" und "Lina" offiziell eingeweiht werden. Sie sind seit Ende vorigen Jahres am Netz und haben seitdem jeweils 345 000 KWh Strom eingespeist.

Hunderte von Besuchern nutzten das Windfest, um sich über die fruchtbare Familie, aber auch andere alternative Energieformen zu informieren: Solarenergie, Blockheizkraftwerke, Wasserkraft, Biogas.

"Bilden wir Banden", sagte Dieter Metk vom Beirat der Kommanditisten in Anspielung an die bekannten Vorwürfe des CDU-Bundestagsabgeordneten Grill gegen die Bürgerinitiative Umweltschutz. Banden solle man bilden, Kräfte verbinden, um zu zeigen: Der Atomausstieg sei zu schaffen, meinte Metk.

Apropos Energiepolitik: Bekanntlich wird derzeit diskutiert, die Vergütung für Windkraft nach dem Eihspeisegesetzzu reduzieren. Die Energieversorgungsunternehmen (EW) werfen den Windrad-Betreibern vor, sich eine ,,goldene Nase" zu verdienen. Ein unverschämter Vorwurf", findet Stephan Kohler von der Energieagentur Niedersachsen mit Blick auf die Gewinnmaximierung der EWs. Unterstützung erhielt er von Norbert Giese der für die Firma arbeitet, die auf dem Jeetzeler Berg die Windräder geliefert hat. Giese: Den EWs passe es nicht, daß immer mehr private Energiequellen erschlossen werden. Dabei seien die EWs selbst dabei, auf Kreta Windräder zu-errichten. Mit Blick auf die steuerbefreiten Rücklagen in der Atomwirtschaft rechnete Giese vor, daß damit jeder Arbeitsplatz in der Energiewirtschaft mit über einer Million DM subventioniert werde. Doch den Windkraftbetreibern gönne man nicht einmal die Vergütung über das Einspeisegesetz.

 


Bearbeitet am 10.05.1997

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