BMU Pressedienst Nr. 203/01
Berlin, 18. Oktober 2001

Atom/Gorleben

Bundesumweltminister Juergen Trittin: Atomausstieg bringt massive Entlastungen fuer Gorleben

Anlaesslich seines Besuchs im Landkreis Luechow-Dannenberg hat Bundesumweltminister Juergen Trittin darauf hingewiesen, dass der mit dem Atomkonsens eingeleitete Ausstieg aus einer verfehlten Atom- und Energiepolitik die Entsorgungslasten fuer Gorleben deutlich mindert.

"Durch die gesetzliche Befristung der Regellaufzeiten verringern wir die Menge des noch anfallenden Atommuells. Durch den Bau der standortnahen Zwischenlager reduzieren wir die Zahl der Atomtransporte und sorgen fuer eine gerechte Lastenteilung. Und durch den Stopp des Endlagerbaus beenden wir die politische Festlegung der Vorgaengerregierungen auf den Standort Gorleben", sagte Trittin heute bei einer Besichtigung des Bergwerk-Schachts, in dem die Erkundungsarbeiten infolge des Atomkonsenses seit einem Jahr unterbrochen sind.

Trittin sagte, bei den von den Betreibern bei der Genehmigung immer unterstellten 40 Volllastjahren Nutzung der Atomkraftwerke waere eine mehr als 30 Prozent groessere Menge von Atommuell zu entsorgen gewesen. Verglichen mit einer 60jaehrigen Betriebszeit -- wie sie derzeit in den USA genehmigt wird -- ist die zu entsorgende Menge durch den Ausstieg sogar nur halb so gross. "Dies ist ein ueberzeugendes Beispiel fuer den mit den Konsensgespraechen erreichten Erfolg durch Befristung der Regellaufzeit der AKWs auf 32 Jahre ab Inbetriebnahme", sagte Trittin. Mit der Lagerung abgebrannter Brennelemente an den Kraftwerksstandorten wuerden nicht nur Atomtransporte vermieden, sondern auch die Entsorgungslasten gerechter verteilt. "Wir haben dafuer gesorgt, dass den Buergern in Gorleben und Umgebung 60 Prozent des genehmigten Atommuells erspart bleiben."

Fuer Gorleben ebenso wie fuer Ahaus entfaellt der weitaus groesste Teil der urspruenglich geplanten Transporte -- die Anlieferung von abgebrannten Brennelementen aus den Atomkraftwerken. Es verbleiben nur die Transporte zur Ruecknahme von Abfaellen aus dem Ausland, zu denen die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet ist. Derzeit ist fuer die naechsten Jahre der Ruecktransport von jaehrlich 12 Behaeltern mit verglasten Abfaellen aus Frankreich nach Gorleben vorgesehen. Voraussichtlich ab 2005 werden nochmals jaehrlich 6 Behaelter aus Grossbritannien hinzukommen. Trittin betonte, gleichwohl werde alles getan, um auch die Anzahl dieser Atomtransporte nach Moeglichkeit zu minimieren. Nach Abschluss der Genehmigungsverfahren fuer die dezentrale Zwischenlagerung an den Standorten der Atomkraftwerke werden in absehbarer Zeit Transporte zur Wiederaufarbeitung und von dort in die zentralen Zwischenlager Gorleben und Ahaus ueberfluessig.

Die vereinbarte Beendigung der Atomenergienutzung ermoeglicht aufgrund wesentlich reduzierter Abfallmengen die Entsorgung aller anfallenden radioaktiven Abfaelle in einem einzigen Endlager. Die Bundesregierung verfolgt daher dieses Ziel, seine Umsetzbarkeit und Auswirkungen werden derzeit von der Bundesregierung unter Einbeziehung der Bundeslaender geprueft

Trittin sagte, dieser Kurswechsel in der Endlagerpolitik des Bundes sei notwendig geworden, da Zweifel an der Eignung von Gorleben bestehen und weil weitere Standorte in unterschiedlichen Wirtsgesteinen untersucht und miteinander verglichen werden sollen. Die Erkundungsarbeiten blieben bis zur Klaerung der Zweifelsfragen zum Salzstock Gorleben unterbrochen. Die Vergabe der dazu notwendigen Gutachterauftraege werde bis Anfang 2002, ihre Abarbeitung voraussichtlich bis Mitte 2004 erfolgen. Dabei ist teilweise ein enger Zusammenhang mit den Arbeiten des Arbeitskreises Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) gegeben, der im Auftrage des BMU ein nachvollziehbares Verfahren zur Auswahl von Endlagerstandorten entwickelt.

Der Bundesumweltminister betonte, Gorleben werde sich spaeter, falls die Nichteignung des Standortes nicht schon anhand der Kriterien offensichtlich geworden sei, den gleichen Anforderungen stellen muessen wie andere Standorte. "Eine Bevorzugung von Gorleben wird es keinesfalls geben. Aber nur wenn sich der Standort Gorleben im Vergleich zu anderen Standorten als aussichtsreich erweist, ist eine weitere Erkundung zu rechtfertigen. Ein Sicherheitsdefizit im Vergleich zu anderen Standorten, das zukuenftige Generationen tragen wuerden, lasse ich nicht zu." Trittin zeigte sich darueber erfreut, dass sich das Bundesumweltministerium mit bis zu 2,5 Mio. DM an der sozialen Flankierung des Moratoriums beteiligen konnte. Dadurch wurde den Beschaeftigten der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern fuer Abfallstoffe (DBE) mbH, die aufgrund der verfehlten Politik frueherer Regierungen ihren Arbeitsplatz aufgeben mussten, eine sozial vertraegliche Perspektive geschaffen.

Juergen Trittin: "Mit dem eingeleiteten Ausstieg aus einer verfehlten Atom- und Energiepolitik und mit unserer neuen Entsorgungskonzeption ist es uns gelungen, die Lasten fuer den Landkreis zu reduzieren. Deutlich weniger Abfaelle werden produziert und 60 Prozent weniger Abfaelle gelangen nach Gorleben, die Anzahl der Transporte wird minimiert. Damit ist ein Grundstein gelegt fuer die Befriedung der Familien und der Gesellschaft, die sich haeufig genug im Streit um die Atomenergie und die Entsorgung entzweit haben. Es gilt nun, die wirtschaftliche Prosperitaet im Landkreises nachhaltig zu sichern. Alle Bemuehungen hierzu werde ich unterstuetzen."

Gerade hinsichtlich der Sicherheit von Atomanlagen komme dem derzeit im Bundestag beratenen Gesetz zum Atomausstieg besondere Bedeutung zu. "Am 11.9.2001 wurde auf entsetzliche Weise die dem Gesetz zu Grunde liegende Abwaegung bestaetigt, dass das Risiko des Betriebs von Atomkraftwerken auf Dauer nicht vertretbar ist. Die Begrenzung der Laufzeit auf durchschnittlich noch 12 Jahre und der schnellste Ausstieg weltweit sind die richtige Konsequenz" betonte Bundesumweltminister Juergen Trittin.

Hrsg: BMU-Pressereferat, Alexanderplatz 6, 10178 Berlin Redaktion: Michael Schroeren (verantwortlich) Jürgen Maaß, Frauke Stamer, Martin Waldhausen Tel.: 01888/305-2010. Fax: 01888/305-2016 email: presse@bmu.de - internet: http://www.bmu.de/presse

Bearbeitet am: 19.10.2001/ad


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