Hamburger Abendblatt 15.2.2001

Der Pastor und der Castor

Hitzacker - Zum vierten Mal wird Pastor Egon Maierhofer (70) aus Hitzacker Ende März im Wendland einen Castor-Transport behindern. Seit 20 Jahren kämpft er gegen die Atommüll-Anlagen im Gebet gegen den Castor: Der evangelische Pastor Egon Maierhofer (70) aus Hitzacker amAndachtsort im Wald von Gorleben.

"Als Christ bin ich gegen Atomenergie", sagt er. Die Technik sei "unverantwortlich der Schöpfung gegenüber". Außerdem sei es "eine Hybris zu meinen, man könne die Gefahren der Kernenergie mit fehlbaren Menschen beherrschen". Kein Ort auf der Erde sei sicher, um den strahlenden Abfall sicher zu lagern.

Maierhofer macht in der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg mit. Der Pastor mit den buschigen Augenbrauen, dem grauen Backenbart und den wild abstehenden Haaren sagt: "Ich habe bei diesen Demonstrationen stets intensivere Gespräche geführt, als ich in der Kirche je hatte."

Ein Teil seiner Gemeinde war Anfang der 80er-Jahre alles andere als erbaut, als ihr Pastor sich dem Widerstand verschrieb. "Vor allem die Älteren blieben weg", berichtet er. "Aber dafür kamen immer mehr und vor allem immer jüngere Gottesdienstbesucher." Der Widerstand als Erfolgsrezept, um die Kirchen zu füllen? "Nein, nein. Die Menschen hier beschäftigt das einfach." Deshalb initiierte der umtriebige Pastor mit Kollegen 1985 die "Gorlebener Gebete" an zwei roh gezimmerten Holzkreuzen. Auf einer Waldlichtung finden sich seitdem jeden Sonntag Menschen zum Gebet zusammen.

Auch von der Kanzel in der St. Johannis-Kirche in Hitzacker wird Maierhofer wieder mahnen. Am 18. März will der Pfarrer im Ruhestand in seiner Predigt zum Castor-Transport sprechen. (ek)

Bearbeitet am: 15.2.01/dm


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