Heilbronner Stimme, 13.09.01

Wie sicher sind Kernkraftwerke?

Neckarwestheim / Obrigheim

Nach der Katastrophe in den USA stellt sich für viele die Frage: Wie sind zum Beispiel die Kernkraftwerke in der Region auf Anschläge aus der Luft vorbereitet?

Nach Ansicht des Landes-Umweltministeriums sind Terror-Angriffe, wie sie in Amerika geflogen wurden, nicht zu überstehen. Sprecher Hans Klöppner: "Die fünf Reaktorblöcke im Land sind nach den geltenden strengen Bestimmungen ausgelegt. Aber nicht auf den Vorgang vom Dienstag."

Ganz in Sicherheit wähnt sich dagegen das Gemeinschaftskernkraftwerk Neckar (GKN). Sprecher Uwe Mundt: "Ein Passagierflugzeug würde am GKN zerschmettern. Der zwei Meter dicke Stahlbetonmantel der Reaktorgebäude ist auf schnell und tief fliegende Militärmaschinen ausgelegt."

Auch die Castoren auf dem Gelände seien für einen Flugzeug-Aufprall präpariert, so Mundt: "Dass bei einem derartigen Anschlag im GKN Radioaktivität austritt, würde ich ausschließen." Zudem sei der Standort im Neckarwestheimer Steinbruch äußerst schwer zu treffen.

Dennoch gebe es derzeit eine erhöhte Aufmerksamkeit in Sicherheitsfragen. Wie im Kernkraftwerk Obrigheim (KWO). Laut Pressesprecherin der Konzernmutter EnBW, Friederike Eggstein, stehe man in ständigem Kontakt mit dem Innenministerium.

Ob das KWO einen Anschlag wie auf das World Trade Center überstehen würde, wollte Eggstein nicht definitiv beantworten. "Wir prüfen diesen Fall." Die Bauweise von Kernkraftwerken berücksichtige zwar Auswirkungen von außen wie etwa Flugzeugabstürze. "Seit Dienstag haben wir aber eine neue Situation. Das war ein kriegerischer Akt." (jr/wom/lsw)

Bearbeitet am: 13.09.2001/ad


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