Die Welt
vom 07.03.2001

Castor: Nur mit Namensschild zum Polizei-Einsatz

Lüneburg - Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kritischer Polizistinnen und Polizisten hat die Innenminister der Bundesländer aufgefordert, ihre Beamten nicht ohne Namensschild in den Castoreinsatz zu schicken. Bundessprecher Thomas Wüppesahl sagte am Dienstag in Lüneburg, dies sei zum Schutz der Demonstranten vor "menschenverachtender Behandlung" nötig. Bei den bevorstehenden Castor-Transporten sollen in knapp vier Wochen bis zu 20 000 Polizisten im Einsatz sein.

Die Kennzeichnung, im Notfall per Nummer, diene aber auch dem Ansehen der Polizei. Es gebe mittlerweile "Hunderte von Vorfällen und Tausende von Polizeiopfern in Deutschland, deren Tätern in Uniform niemand habhaft werden" könne. Dies werde durch Kameraderie- und Mobbingkultur verhindert, sagte Wüppesahl.

Nach einem mehrstündigen Gespräch der Arbeitsgemeinschaft mit Vertretern der Polizeiführung begrüßte Wüppesahl ausdrücklich das neue Konfliktmanagement als "Schritt in die richtige Richtung". Die 130 Konfliktmanager "wären allerdings am wertvollsten nach innen in die Polizeistrukturen wirksam", sagte der Bundessprecher. Bei 10 000 Blockierern könne man alle Deeskalationsbemühungen vergessen, zumal wenn die Einsatzleitung ein konkretes "Zeitfenster" für den Ablauf des Transports nach Gorleben durchziehen werde.

Er forderte den Abbruch der Castortransporte, "weil Einsätze dieser Art und Größenordnung der Demokratie abträglich und Konflikte vorhersehbar sind." "Das ganze Gehühner, das Jürgen Trittin mit diesem Pseudo-Atomkonsens veranstaltet, ist für die Katz." Die Interessengegensätze ließen sich nicht mit Pastoren und Psychologen aus der Welt schaffen: "Hier ist die Politik gefordert", betonte Wüppesahl. lni

Bearbeitet am: 08.03.2001/ad


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