Strafanträge

von

Kurt Herzog, MdL DIE LINKE
Bahnhofstr. 13
29451 Dannenberg

An die
Staatsanwaltschaft Lüneburg
Burmeisterstr. 6

21335 LÜNEBURG

Dannenberg, 7.11.2008

Strafanträge
- gegen die Hersteller der für den in Kürze geplanten Transport von mit je 28 HAW-Kokillen beladenen Behälter des Typs TN-85 in das Transportbehälter-Zwischenlager (TBL) Gorleben und - gegen die Prüf- und Genehmigungsbehörden
unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Begünstigungen und Straftaten.

Sachverhalt:

Der veränderte Behälter der französischen Herstellerfirma mit der Bezeichnung "TNTM-85", der eine um 40% erhöhte Neutronendosisleistung mit entsprechend höherer Wärmeleistung besitzt, erhielt vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) am 23.05.2007 eine Einlagerungsgenehmigung in das TBL Gorleben, die sachlich nicht nachvollziehbar ist. Erteilt wurde diese vermutlich von Dr. F. Heimlich (BfS), dem u. a. Beihilfe zu einer Straftat (z. B. zu § 312 StGB) vorzuwerfen ist.

Die Einlagerungsgenehmigung hätte aus nachfolgend aufgezählten Gründen nicht erteilt werden dürfen, wenn man erforderlichen Sachverstand in technischen Prüffragen bei Dr. Heimlich voraussetzt. Der Transport- und Lagerbehälter hat für die Abschirmung der Neutronendosisleistung und für die Wärmeabführung folgende besondere Merkmale.

1. Die Neutronenmoderatoren des TN-85-Behälters aus Kunstharz - ein gegenüber den Moderatoren bisheriger Behältertypen aus Polyethylen (PE) verändertes Material - liegen an den Außenwänden. des zylindrischen Körpers von ca. 3,0 m Außendurchmesser. Die Einzelteile der Moderatoren, die zwischen den Wärmeabfuhrrippen aus Kupfer angebracht sind, haben Trapezform, wobei der schmalere Teil des Trapezes innen am Stahlbehälter anliegt. Das Kunstharzmaterial ist in dünne Bleche eingeschlossen.
Die chemische Bezeichnung des Kunstharzmaterials konnte von den Fachbeamten des BfS nicht angegeben werden, weil sie sich auf Herstellergeheimnis berufen mussten. Ebenso konnten keine Angaben über das Gesamtgewicht des Kunstharzes und das spezifische Gewicht (Rohdichte in g/cm3) erfragt werden.
Das Wasserstoff-Kohlenstoff-Verhältnis des Harzes sowie dessen chemische Formel, sein Anteil am Gesamtgewicht des Behälters und seine Rohdichte sind aber von entscheidender Bedeutung für die Abschirmwirkung gegen die nach außen dringende Neutronendosisleistung.

2. Die Dicke der Neutronenabschirmung ist im Bereich der Tragzapfen des Deckelbereichs halbiert. Entsprechend muss hier die Strahlung stark erhöht sein. Begleitpersonen und Polizeibeamte, die sich möglicherweise länger in diesem Bereich aufhalten, erhalten eine mindestens 3-fach erhöhte Strahlendosis.

3. Wichtige Annahmen, z. B. in der RSK-Studie zu einem Flugzeugabsturz auf ein Zwischenlager sind obsolet, wenn französische Behälter eingelagert werden. Das Moderatormaterial ist bei diesen
Behältern nur durch einen dünnen Metallmantel "geschützt", wird also von der bei der Kerosinverbrennung entstehenden Wärme viel schneller aufgeheizt und trägt somit in wesentlich stärkerem Maße und zeitlich früher zur Brandlast bei als das Polyethylen der bisherigen Behälter. Die potentielle Gefahr wird dadurch in unkalkulierbarer Weise erhöht.

Als Grundlage verwendet wurde ein Absturz- bzw. Bauwerksszenario, welches für das TBL Gorleben völlig unzureichend für eine Beurteilung von möglichen Nuklidfreisetzungen ist. Dies kann jeder der mit der Materie befassten Prüfer und Genehmiger von Behältereinlagerungen sofort erkennen, wenn er will. Ein maßstäbliches Schaubild des TBL Gorleben für ein reales Angriffsszenario mit einem gezielten Absturz eines Großflugzeuges (z. B. einer B 767, wie sie beim Angriff auf das World Trade Center verwendet wurde) ist aus statischer bzw. dynamischer Sicht in der Zeichnung und Beschreibung dargestellt (Zeichng. v. 28.08.03, s. Anlage!).

Es kommt danach durch den Aufprall der abkippenden Dachträgerteile mit 120 t Gewicht nach einem Domino-Kippeffekt zu einem Aufprall des Trägers nach einem Fall aus 12 m Höhe auf die BodenMantelkante, der zerstörend wirkt. Dadurch werden aus einigen Behältern enorme Mengen gasförmiger und flüchtiger Radionuklide freigesetzt. Diese entweichen durch die Lüftungsschlitze der Außenwände und dürften ein Gebiet, je nach Windrichtung, bis Brandenburg/Berlin auf Dauer unbewohnbar machen.

Bei den hohen Brenntemperaturen des Anteils von Kerosin (Gesamtmasse bei Volltankung 200 m3), die nach der Explosion beim Aufprall noch in das zusammenstürzende Transportbehälterlager eintreten, erhöhen sich die Nuklidfreisetzungen noch erheblich. Dabei werden etwa 3 t Polyethylen (PE) je zerstörten Behälter zersetzt und tragen zur Gesamtlast bei. Der Heizwert von PE entspricht dem von Kerosin. Werden bei einem Angriff nur zehn Behälter zerstört, so ergibt dies bereits 30 t mehr an Heizwert als das eingedrungene Kerosin.

Der Behälter TNTM-85 führt infolge seiner an der Außenhaut liegenden Moderatoren aus Kunstharz bei dem betrachteten Szenario noch zu weitaus größeren Brandlasten, als die bisher eingelagerten Behälte des Typs "CASTOR HAW 20/28 CG". Falls Behälter solcher Bauart ins TBL gelangen, sind sie schnellstmöglich wieder zu entfernen und dem Absender zurückzugeben.

Teil IV
Die Prüfungen des französischen Behälters TN-85 durch die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin sind nicht nach den "Empfehlungen für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen" (Ausg. 1996 i. d. F. von 2003 - Deutsche Übersetzung der Abschnitte 1 bis VIII der 'IAEA Safety Standards, Series No. TS-R-1' durch das BfS) erfolgt und in wesentlichen Teilen fehlerhaft. Wer als Person bei der BAM die fehlerhafte Prüfung durchführte ist nicht sicher bekannt und muss ermittelt werden.

Zum Sachverhalt:

a) Die einzelnen Versuche mit dem Behälter TNTM-85 sind auf dem neuen Versuchsstand der BAM mit Modellbehältern im Raum-Maßstab 1 : 3 und im Gewichtsmaßstab des Originals zum Modell von 100: 15 durchgeführt worden. Allein die Wahl dieser Abmessungen und Gewichte für das verkleinerte Modell sind unverhältnismäßig gewählt und lassen damit einen Vergleich mit dem Original nicht zu.

Trotzdem hat die BAM nach derartigen Berechnungen - entgegen den IAEA Empfehlungen für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen" (s. S. 77 - 87: "Prüfungen zum Nachweis der Widerstandsfähigkeit unter Unfallbeförderungsbedingungen", Abschn. 726 bis "Inhalt von Genehmigungs- und Zulasssungszeugnissen", Abschn. 830) ein Zulassungszeugnis für den Behältertyp erteilt. Dies ist nach meiner Beurteilung eindeutig eine Straftat, die zu verfolgen ist.

b) Der aus Stahl bestehende Original-Behälterkörper des TNTM-85 wird zumindest in BodenWandbereichen verschweißt.
- Entweder wird für eine Schweißnaht des verkleinerten Behältermodells das gleiche Schweißverfahren angewandt; dann ist anzunehmen, dass die Schweißnaht im verkleinerten Modell
eine sehr hohe Festigkeit aufweist (im Verhältnis zur Festigkeit der verschweißten Teile). Dann kann das verkleinerte Modell bezüglich seines Verhaltens bei einem Fall nicht mit dem Original verglichen werden.
- Oder es wird ein dem verkleinerten Modellstück angemessenes anderes Schweißverfahren angewandt; auch dann ist ein Vergleich mit dem Original bei Fallversuchen nicht möglich.

Schon aus diesen Gründen müssten an dem TNT-85-Transportbehälter der französischen Herstellerfirma Fall-, Brand- und Durchstanzversuche mit einem Behälteroriginal durchgeführt werden, um dessen Sicherheit nachzuweisen.

Die durchgeführten Fall- und Durchstanzversuche am Behältermodell sind nicht aussagekräftig und nicht für eine Beurteilung verwendbar. Dies müsste die BAM als Prüfbehörde wissen und erkennen.

Schlusssatz

Zu meiner persönlichen Betroffenheit durch die geplanten Straftaten erkläre ich Folgendes:

Mein Wohnhaus in Dannenberg, Bahnhofstraße 13, befindet sich in ca. 100 m Abstand von der Bahnstrecke zum Verladebahnhof Dannenberg-Ost, und zwar südlich davon. Zwischen der Nordseite meines Wohngebäudes und den Bahngleisen liegen meine Obstwiese, mein Gemüsegarten und meine Garage. Auf dem Transportgleis sind die haltenden Waggons des Transportzuges von den Nordfenstern des Hauses aus sichtbar. Das Haus wird z. Zt. von drei Personen bewohnt.

Ich bitte, die geplanten Straftaten durch einen Eilentscheid noch zu verhindern. Falls dies nicht geschieht, bitte ich zum Schutz der Einwohner entlang der Transportstrecken eine maximale Geschwindigkeit des Transportzuges von 35 km/h vorzuschreiben, um der unzureichenden Prüfung der Gefahrguttransportbehälter nach IAEA-Vorschriften entgegenzuwirken.

Ein 9 m-Fall des Behälters entspricht einer Aufprallgeschwindigkeit von 13,29 m/sec (entspricht rd. 48 km/h). Damit ist die Forderung an die Staatsanwaltschaft begründet, in der Bundesrepublik Deutschland höchstens eine Transportgeschwindigkeit von ca. 35 km/h des Transportzuges zuzulassen. Das Unglück von Eschede sowie der wegen einer Schafherde in einem Tunnel verunglückte ICE sind noch nicht vergessen.

(Unterschrift)
Kurt Herzog

Bearbeitet am: 09.11.2008/ad


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